Ägäis 2005

Inselhüpfen von Athen aus

01.10.05: Abflug am Flughafen Brüssel – Ziel Athen. Wir charterten vom Ausgangshafen Kalamaki/Athen die „Corali“ eine Bavaria 37. Mit an Bord waren meine Frau Gabi, Tochter Maike, Sohn Peter und dessen Freundin Anika. Schon auf der Fahrt vom Flughafen zum Hafen wurde unsere „Mannschaft“ von anderen Seglern begutachtet und ernsthaft die Frage gestellt, wo denn meine Mannschaft sei. Das Segelrevier sei doch nur was für eine erfahrene (Männer)Crew. Danach wurde „Männercrew“ bei uns ein geflügeltes Wort, vor allem wenn die Männercrews wegen des Wetters im Hafen blieben, während wir ausliefen.

02.10.05: Haben heute den Hafen von Kalamaki verlassen. Gestern war es sehr stürmisch und die Wellen liefen abends beim Essen bis ins Restaurant. Der Wind hat sich jetzt gelegt. Es steht aber weiterhin eine starke See, die uns zu schaffen macht. Vor allem zwischen den Inseln Kea und Kythnos wird das Schaukeln des Bootes sehr unangenehm. Wir sind froh, als wir in den Windschatten von Kythnos kommen. Wir genießen die Ruhe bei einem Bad im Meer und fahren anschließend in den Hafen von Loutra.

03.10.05: Bei schönem Wetter und 2 Beaufort fahren wir von Kythnos nach Serifos. Wir besichtigen am Nachmittag die schöne Kora von Serifos-Stadt.

04.10.05: Abfahrt 09:35 nach Süden. Der Wind bläst nun aus Norden mit 4 Beaufort. Gegen 15:10 Uhr erreichen wir Adamas, einen Hafen von Milos. Wir können nicht in den Hafen einfahren, weil er für die Fischer reserviert ist und legen daher draußen vor der Kaimauer an mit Buganker. Ein netter Nachbar warnt uns vor den Fähren, die bei der Einfahrt einen starken Schwell machen, wodurch bereits einige Segelschiffe beschädigt wurden. Wir legen soweit wie möglich von der Kaimauer ab und beobachten einige Zeit die einlaufenden Fähren, aber es passiert nichts.

05.10.05: Heute ist Landtag! Wir mieten ein kleines Auto und fahren kreuz und quer über die Insel. Besonders beeindruckt sind wir von den bunten Farben in Plaka und den weißen Felsen von Sarakiniko, aber auch den langen Sandstränden, die menschenleer sind, jedenfalls zu dieser Jahreszeit. Nachdem wir unser Auto zurückgegeben haben und wieder auf den Hafen zugehen, sehen wir, wie die Segelboote im Hafen wie Spielzeuge von einer Welle hoch- und runtergeschleudert werden. Eine Fähre ist mit Vollspeed in den Hafen gefahren. An unserem Schiff ist die Badeleiter, die eigentlich auf der Badeplattform liegt, von der Welle nach hinten geklappt worden. Am Heck befindet sich ein dicker Fender, auf den sie geklappt ist. Bei einer Welle ist die Badeleiter gegen die Kaimauer gestoßen und hat 2 Löcher in den Rumpf gedrückt. Insgesamt sind 12 Boote, teils schwer, beschädigt.

06.10.05: Noch ein Tag auf Milos! Der Eigner wurde von uns verständigt und hat einen Griechen geschickt, der das Boot notdürftig repariert. Sieht nicht besonders fachmännisch aus! Zu unserer Unterhaltung landet neben uns ein Amerikaner, der sich schon auf der 4ten Weltumsegelung befindet. Wir bestaunen das technisch bestens ausgerüstete Boot und hören, dass die See heute sehr unruhig war. Der Wind ist stärker geworden!

07.10.05: Heute geht es um 06:45 Uhr Richtung Ios. Der Wind kommt weiterhin aus Nord und hat nun eine Stärke von 5-6 Beaufort, in Böen auch 7 Beaufort. Gegen 14:00 Uhr haben wir den Hafen von Ios erreicht und versuchen so schnell wie möglich aus unseren Segelklamotten zu steigen, denn im Hafen ist es windgeschützt und über 30 Grad, während wir auf dem Meer fast gefroren haben. Nach einem kleinen Schnaps aus Gründen der sicheren Landung besichtigen wir die wunderschöne Kora von Ios mit ihren engen Gassen und den vielen Läden, die darauf hindeuten, dass es im Sommer wohl Touristen in Scharen gibt, von denen wir allerdings verschont bleiben.

08.10.05: Um 09:00 Uhr geht es Richtung Antiparos. Wir wollen heute Nacht in der Bucht ankern. Den Ormos (griech: Ankerplatz) Despotiko erreichen wir um 15:00 Uhr. Die Bucht liegt zwischen den Inseln Antipaxos und Despotiko. Die Bucht ist einsam, aber wunderschön. Sie ladet geradezu zu einem Bad ein, was wir aber ganz schnell bedauern, weil der Wind das Meer stark abgekühlt hat. Die Wassertemperatur liegt nur noch bei 16° bis 17°. Auch heute hatten wir starken Wind, was uns über Nacht eine Ankerwache gehen läßt. Die Nacht ist sternenklar und ich sehe an dem wunderschönen Nachthimmel eine Sternschnuppe nach der anderen. Gegen morgen ändert sich das mit einem Gewitter, das Anika und Peter, die die letzte Wache haben, wach hält.

09.10.05: Heute wollen wir nach Paros. Der Wind ist nicht mehr so stark wie an den Vortagen. Im Hafen von Paros wird gebaut, so dass wir uns entscheiden, nach Naxos weiterzusegeln. Der Hafen in Naxos ist voll bis auf den letzten Platz. Wir finden in einer Ecke eine Möglichkeit zu ankern. Erst beim 3. Versuch hält der Anker, danach sind wir nur noch hungrig und wollen lecker essen gehen. Wir bekommen von einem Austeiger einen Tip: Das Restaurant sieht toll aus, von dem Essen möchte ich nicht berichten!

10.10.05: Die ganze Nacht hat der Wind stark geblasen und ich habe kaum geschlafen, weil die Fallen der Boote im Hafen klapperten. Da der Wind immer noch so stark weht, wollen wir heute noch einen Landtag einlegen. Wir mieten in Naxos 3 Roller und fahren über die Insel nach Apollonas. Vorher statten wir aber noch dem Kouros Apollon einen Besuch ab. Von Apollonas geht es kreuz und quer über die Insel, bis Peter merkt, dass sein Benzin für eine Rückfahrt nicht reicht. Dumm nur, dass auf der Ostseite der Insel keine Tankstellen sind. Also heißt es für Peter und Ani den Roller ohne Motor den Berg hinabrollen lassen und sie schaffen es noch bis zur nächsten Tanke.

11.10.05: Bei Windstärke 6-7 fahren wir nach Mykonos. Der Wind bläst weiter von Norden und wir müssen gegen den Wind kreuzen. Teilweise haben wir eine schlimme Kreuzwelle gegen uns und kurz vor der Meerenge zwischen Mykonos und Delos holen wir die Segel ein und fahren mit dem Motor Richtung Mykonos Hafen. Jede 2. Welle kommt über das Boot und ich bekomme die Wellen immer wieder ins Gesicht. Bei der Landung sehe ich aus, wie mit Salz überzogen. Der neue Hafen in Mykonos ist eine Katastrophe. Er liegt weit ab von der Stadt und ist noch nicht ganz fertig. Schlimm ist, dass nichts vorhanden ist, an dem man sein Boot festmachen kann! Ein Holländer hilft uns anlegen und wir spannen eine gewagte Konstruktion aus Leinen über Land, an denen wir uns festmachen können.
Am Abend geht es in die Stadt, die von den Passagieren mehrerer Kreuzfahrtschiffe heimgesucht wird. Aber als alle Kreuzfahrer wieder eingesammelt sind, wird es ruhig. Wir freuen uns, endlich etwas zu essen, was satt macht: Gyros – gibt es sonst nicht auf den Inseln; ist wohl eine deutsche Spezialität.

12.10.05: Wir fahren zurück nach Kythnos bei Windstärken bis 8 Beaufort. Wir wären lieber im Hafen geblieben, aber uns bleibt nicht mehr viel Zeit für unsere Rückkehr nach Athen. Unterwegs versucht uns eine „Männercrew“ zu überholen, die wir auf Naxos getroffen haben. Obwohl sie ein viel größeres Boot haben, gelingt es ihnen nicht, denn wir geben unser Bestes und die „Männercrew“ scheut sich mehr Segel zu setzen. Wir haben Spass und erreichen ohne Probleme wieder Loutra, welches wir schon von der Hinreise kennen.

13.10.05: Von Loutra führt die Route nach Kap Sounion. Der Wind ist schwächer geworden und hat nur noch 3-4 Beaufort. Gegen 15:45 Uhr erreichen wir die Bucht unterhalb des Tempels und legen unser Boot an Bug- und Heckanker sicher fest. Dann machen wir unser Schlauchboot klar und lassen uns von Peter einer nach dem anderen mit dem kleinen Dinghi an Land bringen. Leider gibt es keinen schönen Sonnenuntergang am Tempel, auf den wir gehofft hatten. Also wieder in das Schlauchboot und die Prozedur von vorne. Die Letzten werden von Peter mit der Taschenlampe übergesetzt, weil es schon dunkel ist. Wir verzichten auf eine Nachtwache, weil das Wetter besser ist und verlassen uns auf unser GPS.

14.10.05: Unser letzter Tag! Wir fahren fast ohne Wind teilweise unter Motor nach Athen und genießen das schöne, warme Wetter.

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